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09.09.2010

Kunst- und Denkmallandschaft im Kreis Guben

Es geht in unserer Kulturarbeit heute um mehr als nur um die Pflege des Wahren, des Guten und Schönen. Es geht um die existenziellen Fragen der Sicherung oder gar der Erneuerung der Unverwechselbarkeit unserer Gemeinden und Stadt, es geht um die Individualität ihrer Bewohner. Hierzu leistet die in den Gemeinden schon länger wahrgenommene Aufgabe vom Denkmalschutz und von der Denkmalpflege ihren bedeutsamen Beitrag, wobei Denkmal-Schutz in erster Linie die Ordnungszuständigkeit und Denkmalpflege die praktischen Erhaltungsmaßnahmen und gleichzeitig damit die Nutzung der zu erhaltenden Bauten bezeichnet. In diesem erweiterten Verständnis gewinnt Denkmalschutz über seine bisher vorrangig kulturelle Qualität hinaus eine volkswirtschaftliche und soziale Dimension.

Die Niederlausitz und insbesondere der Kreis Guben sind verglichen mit anderen deutschen Landschaften, arm an künstlerischer und kultureller Tradition. Das ist geschichtlich begründet:

Seit dem 14. Jahrhundert war Guben und seine Umgebung ständig zwischen den Territorialgewalten hin- und hergerissen. Die Landschaft lag weitab von bedeutenden Bischofs-, Handels und Residenzstädten, in denen sich bis ins 19. Jahrhundert hinein im wesentlichen das kulturelle Leben konzentrierte. Allerdings besaß das rechts der Neiße liegende Guben bis zu seiner Zerstörung 1945 einen mittelalterlichen Stadtkern mit wertvollen Bauwerken.

Noch ehe Guben 1235 magdeburgisches Stadtrecht erhielt, wurde links der Neiße ein Benediktinerinnenkloster gegründet. Nach der Reformation ist das Kloster abgebrochen worden. Es lag an der Stelle der stattlich neugotischen Klosterkirche, die eine Ausstattung aus dem 16. bis 19. Jahrhundert zeigt.

Nur ein Gebäuderest im Backsteinmauerwerk mit einem profilierten Sockel hat sich als Trennmauer zwischen den Grundstücken des Kreisgerichts in der Alten Poststraße und der Klosterkirche erhalten.

Die ältesten Steinbauten im Kreis Guben sind zwei kleine rechteckige Kirchen, die in Atterwasch und in Grießen. Auf dem Anger des Dorfes liegend, umgeben vom Friedhof, hat sich die Kirche in Grießen im äußeren ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt. Den in schweren Feldsteinen aufgeschichteten Bau schließt ein hohes Satteldach ab, der westlich vorgelegte Turm besitzt eine hölzerne Auskragung für den Glockenstuhl und einen gebrochenen Helm.

Aus dem späteren Mittelalter stammen die Umfassungsmauern und Portale der Kirche zu Horno und Mauerteile an der Ostseite der Kirche in Groß Breesen.

Da im Mittelalter außer dem Klerus kaum ein Laie zu lesen vermochte, spielte die bildliche Darstellung eine uns heute kaum vorstellbare große Rolle. Charakteristische Zeugnisse für diesen Bildhunger sind die Flügelaltäre. Zwei von diesen sind uns erhalten geblieben, einer in Reicherskreuz und einer in Grießen.

Besonders reiche und kunstvolle Arbeiten sind der silberne spätgotische Kelch der Kirche in Drewitz und die messingne Taufschale der Kirche in Pinnow.

Die Ausstattung der Kirchen mit Bänken und Emporen, Orgeln und Kanzeln setzt nach der Reformation ein. Beispiel dieser malerisch wirkenden Innenräume des 16. und 18. Jahrhunderts sind Atterwasch und Horno. An Plastiken und Gemälden aus dieser Zeit ist manches in Groß Breesen, Tauer und Pinnow erhalten geblieben, von künstlerischer Bedeutung sind der reiche barocke Altar in Atterwasch und die dortige Kanzel, eine feine Holzeinlegearbeit des 16. Jahrhunderts.

Landschaftlich charakteristisch ist der hölzerne Glockenturm an der Kirche zu Grano. In einigen Türmen des Kreises hängen noch heute wertvolle alte Glocken.

Nüchterne, meist rechteckige und mit Emporen versehene Predigtsäle entstanden in dem letzten Viertel des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Tauer, Grano, Sembten, Jänschwalde und Groß Breesen.

Aus der Zeit des Klassizismus und der Romantik stammen die Grabsteine in Form von Stelen, Quadern und Urnen in Grießen und Grano, symbolisch die Todesvorstellung dieser Zeit ausdrückend.

Als die ältesten künstlerischen Zeugnisse, die auf den Feudaladel hinweisen, findet man Grabsteinplatten mit Figuren, Wappen und Inschriften an der Kirche in Atterwasch und in der Vorhalle der Kirche in Groß Breesen.

Die schlichten, ein- oder zweigeschossigen, mit einem hohen Mansardendach versehenen Herrenhäuser zeigen sich in Deulowitz, Sembten und Krayne. Der einzige plastische Schmuck dieser wohlproportionierten und mit Fensterachsen gut gegliederten Bauten sind in Krayne und Deulowitz Wappensteine über den Portalen. Einen herrschaftlichen Anspruch erheben die sicherlich von ein und demselben Baumeister herrührenden, mit Dachreitern versehenen Torhäuser der Güter in Sembten und Lübbinchen sowie die erhaltenen Landschaftsparks.

Wie eine bürgerliche Villa wirkt das eingeschossige mit Putzgliederung versehene Herrenhaus in Schenkendöbern. Bürgerliche Bauten wie der Gasthof in Kerkwitz und die Wohnhäuser in Guben in der Alten Poststraße 2a zeigen dieselbe Gliederung mit Gurtgesimsen, geraden Verdachungen über den Fenstern und Quadern im Putz, Stilelementen des späten Klassizismus preußischen Prägung.

Prunkvoll eingebettet in unsere Landschaft ist das Schloss Bärenklau mit einem Landschaftspark von etwa 20 Hektar. Es wurde in einem Waldgrundstück westlich des Dorfes, 1928/29 in repräsentativer Dreiflügelanlage in klassizistisch-neubarocken Formen erbaut. In Länge der gesamten Gartenfront faszinieren die gestuften Terrassen.

Als technisches Denkmal verdient die Bockwindmühle in Tauer erwähnt zu werden.
Die an künstlerischem Wert nicht überragenden Denkmale der Stadt Guben in der Berliner Straße, der Alten Poststraße, Frankfurter Straße, Karl-Marx-Straße, Friedrich-Engels-Straße und Pestalozzistraße sowie im Ortsteil Kaltenborn sind für die geschichtliche und kulturelle Entwicklung unseres Kreises von großer Bedeutung. Deshalb sind wir verpflichtet, dieses gebliebene kulturelle Erbe zu erhalten und zu pflegen.

Eingetragen am: 05.09.2005 von: Autor | Anfrage


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